Stonehenge und die Schlacht an der Somme
Das war knapp: Da bin ich fast schon wieder zu Hause und hatte immer noch keine Gelegenheit einen Abstecher nach Stonehenge zu machen. Dabei liegt das doch so nah. Naja, relativ nah zumindest. Bin heute morgen früh aus den Federn und dann mit dem Zug von Slough nach Reading, von Reading nach Basingstoke und von da aus weiter nach Salisbury. Dort ab in den Bus und nach einer weiteren halben Stunde durch das englische Hinterland tauchten endlich die berühmten Steine am Horizont auf. Aus einiger Entfernung hätte man glatt meinen können, dort fände gerade irgendein Ritual statt: Rund um den Steinkreis gab es einen zweiten, größeren Kreis aus Menschen. Das lag aber weniger an irgendeiner Druiden-Sekte, sondern an der kleinen Absperrungsleine, die das Betreten des Kreises verhindern soll. Mittlerweile macht man sich also endlich Gedanken um den Erhalt der Steine. - Früher hingegen konnte man sich beim Schmied in Amesbury gegen Gebühr einen kleinen Hammer zum Abklopfen von Souvenirs ausleihen. Noch länger davor haben die Einwohner der angrenzenden Dörfer einige Steine zum Straßen- und Hausbau zerlegt und weggeschleppt. Die heutigen Überbleibsel von Stonehenge sind aber trotzdem noch sehr beeindruckend, unter anderen auch wegen der wirklich sehr imposanten Hühellage der Steine. Während längerer Suche nach spirituellen Schwingungen konnte ich übrigens feststellen, dass eine magische Kraft am Steinkreis den Handyempfang stört. Könnte natürlich auch nur ein Funkloch sein, aber das wäre ja langweilig.
Auf dem Rückweg nach Salisbury machte ich noch in "Old Sarum", den Ruinen des mittelalterlichen Salisbury halt. Kurioserweise veranstaltete die "Great War Society" dort heute zum 90. Jahrestag der Schlacht an der Somme ein... naja, wie soll man sagen... erstes-Weltkriegs-Festival? Ein Platoon von Soldaten verteilte sich um altes Frontmaterial, Sanitätszelte und Maschinengewehre. Kurz nach meiner Ankunft gab es eine Vorführung von Schlachttaktiken. Unerwartet tauchten dabei wirklich zwei deutsche Weltkriegs-Flugzeuge am Himmel auf und griffen den britischen Trupp an. Die Briten verteidigten sich fleißig und bekamen bald Unterstützung von zwei Fliegern der Royal Air Force. Nach einem längeren Luftgefecht konnte die beiden Deutschen unter dem Applaus der Menge "vom Himmel geholt werden".
Im Inneren der verfallenen Burg gab es weitere uniformierte Tommis, die in ihrer jeweiligen Rolle vom Fronteinsatz im ersten Weltkreig berichteten. Der sehr realistisch nachgebaute "Trench" (Frontgraben) wurde überraschenderweise aber von deutschen Soldaten bevölkert. Da konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und fragte einen der Soldaten welches Spiel er denn wohl verloren hätte, hier einen Deutschen darstellen zu müssen. Scheinbar machte es ihm aber einen heidenspaß: Zusammen mit seinem Trupp stellt er häufiger historische Schlachten nach, selbst in Deutschland. Aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit dort aber meist in der alten, königsblauen Kaiseruniform und nicht im 1916er Stahlhelm...P.S.: Mehr Fotos gibt es im Fotoalbum.

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