Sonntag, August 13, 2006

Natural History Museum

Der momentane Regen überzegte mich dieses Wochenende zu einem Museumbesuch, den ich eigentlich schon länger vorhatte: Dem Natural History Museum. Vor dem Eingang bemerkte ich dann aber schon die fatale Fehleinschätzung dieser tollen Idee. Ich war nicht der Einzige, der einen regnerischen Sonntag in London zu einem Besuch in einem kostenlosen Museum nutzen wollte - halb London schien unterwegs zu sein. Und darunter eine beachtliche Zahl von Familien mit kleinen Kindern.

Nach etwa 20 Minuten in der Schlange quetschte ich mich dann erstmal durch den typischen Naturkunde-Bereich mit ausgestopften Tieren aus aller Welt. Um mich herum unzählige, teils interessierte, teils genervte/nervende Kinder mit der dringlichen Frage "Wann kommen wir endlich zu den Dinooos?!?". Die Sonderausstellung über Dinosaurier hatte sich also herumgesprochen und so hieß es dort noch einmal 30 Minuten Schlange stehen. Highlight war hier ein robotisch animierter T-Rex in Lebensgröße. Die Ausstellung an sich beschäftigte sich mit den üblichen Dinofragen wie zum Beispiel dem Grund ihres Aussterbens. Unter die üblichen, wissenschaftlichen Theorien hatte sich hier auch die Idee geschmuggelt, daß die Dinos schon lange vor den Briten die Sportart Cricket erfanden - und daran einfach vor lauter Langeweile starben.

Die Sonderausstellung "The Ship" war dann eine pure Erholung. Eine Gruppe von Künstlern war hierzu mit einem Forschungsschiff in die Arktis gefahren. Die dort entstandene Kunst soll auf die Gefahren des Klimawandels und der globalen Erwärmung aufmerksam machen. Neben vielen wunderschönen Fotos gab es auch nachdenklich machende Skulpturen wie zum Beispiel ein mit Salzkristallen überzogenes Walskelett. Zudem entdeckten die Forscher eine durch das Abtauen des ewigen Eises entstandene neue Insel. Um auf die Entstehungsgeschichte aufmerksam zu machen, ergriff einer der Künstler Besitz von ihr und kämpft seitdem mit der Regierung Norwegens um das Hoheitsrecht.

Zuletzt schaute ich mir dann noch die "Earth Galleries" an. Diese Dauerausstellung beschäftigt sich mit dem inneren Aufbau der Erde und ihren Naturkatastrophen. Und das in jeglicher Hinsicht völlig zum Anfassen und unglaublich interessant gemacht. Zum Thema Erdbeben gibt es hier zum Beispiel einen Raum, in dem das 1995 in Kobe stattgefundene Erdbeben in der Atmosphäre eines japanischen Lebensmittelgeschäfts nachempfunden werden kann.

Es ist schon ziemlich erstaunlich, was das Museum unter seinem Dach alles an verschiedenen Ausstellungen anbietet - und das völlig kostenlos. Leider hatte ich keine Zeit, mir alle Bereich anzusehen. Bewunderswert ist aber auf jeden Fall, wie modern und interessant die Themen hier behandelt werden. Da könnte sich so manches Museum in Deutschland eine Scheibe von abschneiden. - Natürlich nur, wenn es vom Staat so gut unterstützt wird, wie es beim Londoner Naturkunde Museum scheinbar der Fall ist.