Sonntag, Juli 23, 2006

Greenwich und Docklands

Eigentlich sollte es nur eine Reise zum Nullpunkt der Weltkarte werden, aber nachdem ich endlich in Greenwich angekommen war, hatte ich das Gefühl eine kleine Weltreise hinter mich gebracht zu haben. Von den sonst üblichen vier Zügen pro Stunde in Richtung Paddington war heute nichts zu sehen. Der einzige fahrende Zug hatte eine satte Verspätung von 45 Minuten. - Es ist doch immer wieder gut, ein Buch dabei zu haben :-) In Paddington angekommen, fuhr ich mit der Tube einmal von West nach Ost durch ganz London und stieg in der Nähe des Towers in den fahrerlosen, vollautomatischen Docklands-Light-Railway. Nach etwa 2,5 Stunden Anreise war ich dann endlich beim "Royal Observatory Greenwich".

...und das ist keine gewöhnliche Sternwarte: Seit 1851 verläuft der Nullmeridian, also der nullte Längengrad, direkt durch das Fadenkreuz des Teleskops der königlichen Sternwarte. Vor dem Haus befindet sich eine Nulllinie, die Touristen aus aller Welt zum Fotografieren einlädt. Desweiteren ist Greenwich die Heimat der ersten Weltzeitmessung, der "Greenwich Mean Time". Seit fast 200 Jahren fällt deswegen jeden Mittag pünktlich um 13 Uhr ein roter Ball von der Spitze des Turmes. - Nach dem können die Seeleute auf der Themse dann ihre Uhren stellen. Einen kleinen Schock gab es erstmal beim Eintrittspreis: Es gab keinen. - Der Eintritt war frei. Für Londonder Verhältnisse sehr untypisch ;-) Also habe ich mir erstmal das ehemalige Haus des königlichen Astronomen und eine ziemlich gut gemachte Ausstellung über die Zeitmessung vom Mittelalter bis zur Moderne und die damit zusammenhängende Positionsbestimmung auf See angeschaut.

Nach der Besichtigung eines alten Tee-Seeglers im Hafen bin ich dann weiter nach Canary Wharf, dem Zentrum der Docklands. Nach ihrer Aufgabe in den 60ern, lagen die Hafenanlagen dort sehr lange brach und wurden dann erst gegen Ende der 80er wieder besiedelt. Heute findet sich hier eines der schicksten Büroviertel Londons. Vom Reuters bis Morgan Stanley ist hier alles von Rang und Namen vertreten. Wenn man von der supermodernen U-Bahn-Station oder der auf Stelzen verlaufenden DLR-Bahn aus den Park zwischen den Hochhäusern betritt, kommt man auf dem Staunen erstmal nicht mehr heraus: Die höchsten Geäude Londons, mit verspiegelten Fenstern und frisch asphaltierten Anfahrten, liegen um einen Park aus Nadelbäumen. Der Weg neben dem Bach des Parks führt zu einem unteridischen Einkaufszentrum, dass sich unter dem ganzen Gebiet erstreckt. Mein erster Gedanke bei diesem surrealen Anblick: Irgendwie erinnert mich das an die Expo ;-)


P.S.: Im Fotoalbum gibt es Fotos von Greenwich und den Docklands.