Mittwoch, August 30, 2006

A Midsummer Night's Dream

Eine richtig laue Sommernacht war es heute zwar nicht und es hat auch ein bisschen gefisselt, aber schließlich sind wir hier auch nicht in Athen, sondern in London. Trotzdem war ich heute mit ein paar Leuten in Shakepeares "A Midsummer Night's Dream" im Regent's Park Open Air Theatre.

Zuerst einmal gab es die Einsicht, daß es auch nach fünf Monaten in London wohl immer noch einen Park gibt, in dem man noch nicht war. Das Theater liegt am hinteren Ende des Regent Park an einem kleinen Wald. Mit zunehmender Dunkelheit und Beleuchtung wirkte die Waldbühne noch passender zum Stück - und die Nähe zur Wildnis hatten auch einen ungewöhnlichen Gastschauspieler zur Folge: Irgendwann im Stück tauchte ein Fuchs am Rande der Bühne auf und verschwand nach einigen neugierigen Blick wieder. Ein paar Minuten später traute sich der ungewöhnliche Besucher Mitten auf die Bühne und holte sich von den Zuschauen und Darstellern einen Szenenapplaus ab. Nach diesen zwei Minuten des Ruhmes drehte er noch eine Ehrenrunde um die Schauspieler verschwand wieder im Wald :-)

Montag, August 28, 2006

Notting Hill Carneval

"Interessant" dachte ich mir bei meiner Ankunft in Paddington, "es ist Notting Hill Carneval und die Notting Hill Tube Station ist gesperrt". Also bin ich schon eine Station früher in Bayswater aus der U-Bahn und habe mich in den Ausnahmezustand gestürzt: Seit den 60er Jahren feiert die karibische Gemeinde Londons jedes Jahr am letzten Bank-Holiday-Weekend ihren Carneval. Ich hatte den Erzählungen nach ja schon einiges erwartet, aber so groß und umwerfend habe ich mir das Ganze dann doch nicht vorgestellt.

Im sonst so beschaulichen Stadtteil Notting Hill war heute es mindestens genauso voll wie sonst nur im Westend. Die Straßen komplett gesperrt, überall gab es karibisches Jerk Chicken vom Barbecue und dazu importiertes, jamaikanisches "Red Stripe" Bier. Selbst die konservativsten britischen Pubs waren heute auf den Zug aufgesprungen und passten sich mit Musik und Getränken an. In den Straßen waren mehr als 50 verschiedene "Sound Systems" verteilt und sorgten mit Samba, Salsa, Reggae und Rap auch für die entsprechende karibische Party-Atmosphäre. - Teilweise mit einer Bassleistung, die sich schon aus einiger Entfernung in der Magengegend bemerkbar machte.

Dazu rollte ein riesiger Samba-Umzug nach brasilianischem Vorbild stundenlang durch die vollgestopften Straßen. Die besten Sichtplätze hatten da wohl noch die Anwohner, die Ihre Balkone und (Vor-)Dächer in Privatpartys umfunktioniert hatten. - Ausnahmezustand, anders kann man das wirklich nicht beschreiben. So sahen das wohl auch die überall verteilten Bobbies, die regelten, was noch zu regeln war. Und dabei wohlwollend die auf den Bushaltestellen tanzenden Menschen und den überall herumhängenden süßlichen Geruch vom Selbstgedrehtem tolerierten.

P.S.: Gaaaaaaaaanz viele Bilder gibt es im Fotoalbum.

Sonntag, August 27, 2006

Stonehenge und die Schlacht an der Somme

Das war knapp: Da bin ich fast schon wieder zu Hause und hatte immer noch keine Gelegenheit einen Abstecher nach Stonehenge zu machen. Dabei liegt das doch so nah. Naja, relativ nah zumindest. Bin heute morgen früh aus den Federn und dann mit dem Zug von Slough nach Reading, von Reading nach Basingstoke und von da aus weiter nach Salisbury. Dort ab in den Bus und nach einer weiteren halben Stunde durch das englische Hinterland tauchten endlich die berühmten Steine am Horizont auf. Aus einiger Entfernung hätte man glatt meinen können, dort fände gerade irgendein Ritual statt: Rund um den Steinkreis gab es einen zweiten, größeren Kreis aus Menschen. Das lag aber weniger an irgendeiner Druiden-Sekte, sondern an der kleinen Absperrungsleine, die das Betreten des Kreises verhindern soll. Mittlerweile macht man sich also endlich Gedanken um den Erhalt der Steine. - Früher hingegen konnte man sich beim Schmied in Amesbury gegen Gebühr einen kleinen Hammer zum Abklopfen von Souvenirs ausleihen. Noch länger davor haben die Einwohner der angrenzenden Dörfer einige Steine zum Straßen- und Hausbau zerlegt und weggeschleppt. Die heutigen Überbleibsel von Stonehenge sind aber trotzdem noch sehr beeindruckend, unter anderen auch wegen der wirklich sehr imposanten Hühellage der Steine. Während längerer Suche nach spirituellen Schwingungen konnte ich übrigens feststellen, dass eine magische Kraft am Steinkreis den Handyempfang stört. Könnte natürlich auch nur ein Funkloch sein, aber das wäre ja langweilig.

Auf dem Rückweg nach Salisbury machte ich noch in "Old Sarum", den Ruinen des mittelalterlichen Salisbury halt. Kurioserweise veranstaltete die "Great War Society" dort heute zum 90. Jahrestag der Schlacht an der Somme ein... naja, wie soll man sagen... erstes-Weltkriegs-Festival? Ein Platoon von Soldaten verteilte sich um altes Frontmaterial, Sanitätszelte und Maschinengewehre. Kurz nach meiner Ankunft gab es eine Vorführung von Schlachttaktiken. Unerwartet tauchten dabei wirklich zwei deutsche Weltkriegs-Flugzeuge am Himmel auf und griffen den britischen Trupp an. Die Briten verteidigten sich fleißig und bekamen bald Unterstützung von zwei Fliegern der Royal Air Force. Nach einem längeren Luftgefecht konnte die beiden Deutschen unter dem Applaus der Menge "vom Himmel geholt werden".

Im Inneren der verfallenen Burg gab es weitere uniformierte Tommis, die in ihrer jeweiligen Rolle vom Fronteinsatz im ersten Weltkreig berichteten. Der sehr realistisch nachgebaute "Trench" (Frontgraben) wurde überraschenderweise aber von deutschen Soldaten bevölkert. Da konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und fragte einen der Soldaten welches Spiel er denn wohl verloren hätte, hier einen Deutschen darstellen zu müssen. Scheinbar machte es ihm aber einen heidenspaß: Zusammen mit seinem Trupp stellt er häufiger historische Schlachten nach, selbst in Deutschland. Aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit dort aber meist in der alten, königsblauen Kaiseruniform und nicht im 1916er Stahlhelm...

P.S.: Mehr Fotos gibt es im Fotoalbum.

Sonntag, August 13, 2006

Natural History Museum

Der momentane Regen überzegte mich dieses Wochenende zu einem Museumbesuch, den ich eigentlich schon länger vorhatte: Dem Natural History Museum. Vor dem Eingang bemerkte ich dann aber schon die fatale Fehleinschätzung dieser tollen Idee. Ich war nicht der Einzige, der einen regnerischen Sonntag in London zu einem Besuch in einem kostenlosen Museum nutzen wollte - halb London schien unterwegs zu sein. Und darunter eine beachtliche Zahl von Familien mit kleinen Kindern.

Nach etwa 20 Minuten in der Schlange quetschte ich mich dann erstmal durch den typischen Naturkunde-Bereich mit ausgestopften Tieren aus aller Welt. Um mich herum unzählige, teils interessierte, teils genervte/nervende Kinder mit der dringlichen Frage "Wann kommen wir endlich zu den Dinooos?!?". Die Sonderausstellung über Dinosaurier hatte sich also herumgesprochen und so hieß es dort noch einmal 30 Minuten Schlange stehen. Highlight war hier ein robotisch animierter T-Rex in Lebensgröße. Die Ausstellung an sich beschäftigte sich mit den üblichen Dinofragen wie zum Beispiel dem Grund ihres Aussterbens. Unter die üblichen, wissenschaftlichen Theorien hatte sich hier auch die Idee geschmuggelt, daß die Dinos schon lange vor den Briten die Sportart Cricket erfanden - und daran einfach vor lauter Langeweile starben.

Die Sonderausstellung "The Ship" war dann eine pure Erholung. Eine Gruppe von Künstlern war hierzu mit einem Forschungsschiff in die Arktis gefahren. Die dort entstandene Kunst soll auf die Gefahren des Klimawandels und der globalen Erwärmung aufmerksam machen. Neben vielen wunderschönen Fotos gab es auch nachdenklich machende Skulpturen wie zum Beispiel ein mit Salzkristallen überzogenes Walskelett. Zudem entdeckten die Forscher eine durch das Abtauen des ewigen Eises entstandene neue Insel. Um auf die Entstehungsgeschichte aufmerksam zu machen, ergriff einer der Künstler Besitz von ihr und kämpft seitdem mit der Regierung Norwegens um das Hoheitsrecht.

Zuletzt schaute ich mir dann noch die "Earth Galleries" an. Diese Dauerausstellung beschäftigt sich mit dem inneren Aufbau der Erde und ihren Naturkatastrophen. Und das in jeglicher Hinsicht völlig zum Anfassen und unglaublich interessant gemacht. Zum Thema Erdbeben gibt es hier zum Beispiel einen Raum, in dem das 1995 in Kobe stattgefundene Erdbeben in der Atmosphäre eines japanischen Lebensmittelgeschäfts nachempfunden werden kann.

Es ist schon ziemlich erstaunlich, was das Museum unter seinem Dach alles an verschiedenen Ausstellungen anbietet - und das völlig kostenlos. Leider hatte ich keine Zeit, mir alle Bereich anzusehen. Bewunderswert ist aber auf jeden Fall, wie modern und interessant die Themen hier behandelt werden. Da könnte sich so manches Museum in Deutschland eine Scheibe von abschneiden. - Natürlich nur, wenn es vom Staat so gut unterstützt wird, wie es beim Londoner Naturkunde Museum scheinbar der Fall ist.

Samstag, August 05, 2006

St. Pauls und van Gogh

Nachdem ich die Kathedrale mit der weltweit zweitgrößten Kuppel nach dem Petersdom bisher immer nur von außen gesehen hatte, bin ich heute mal ins Innere und habe mir St. Pauls bei einer geführten Tour erklären lassen. Beim Betreten der Kirche wurde ich erstmal von dem grandiosen Innenraum erschlagen: Alles ist lichtdurchflutet und vor allem im Altarflügel der Kirche mit unbeschreiblich viel Gold und Mosaiken verziert. Zudem wirkt St. Pauls von innen noch größer als von außen. Im letzten Jahr wurde übrigens der gesamte Innenraum der Kirche für 60 Millionen Euro gesäubert und renoviert. Wenn man sich die ungesäuberte Vergleichsstelle nahe des Eingangstores anschaut, weiß man das auch wirklich zu schätzen: Von einem "fast schwarz" hat man alle Wände wieder in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt und den Steinen ihre Naturfarbe wieder gegeben.

Um 12 Uhr wurde die Führung einige Minuten für das Mittagsgebet und ein "Vater unser" unterbrochen, dann ging es in die Krypta der Kathedrale. Dort unten sind eine Menge berühmter Briten wie z.B. der Maler William Turner oder die Feldherren Duke Wellington (Waterloo) und Lord Nelson (Trafalgar) beigesetzt. Zudem hängen hier verschiedenste Regimentsfahnen von berühmten englischen Schlachten. Von den sechs Fahnenhaltern der Schlacht von Waterloo ist einer leer: Die Farben der damals alliierten Preussen wurden mit Beginn des ersten Weltkrieges entfernt. - Eine Fahne des aktuellen Feindes im eigenen Heldenkeller zu haben, empfand man da wohl nicht mehr als angebracht.

Auf den Treppen vor der Kathedrale machte ich im Anschluß einen kleinen "Marks and Spencer"-Lunch und bin weiter zur britischen Nationalgalerie. Die dortige Führung fing erst einmal etwas trocken an. Nach ein paar Minuten stellte sich der führende Kunsthistoriker aber als ein lustig verschrobener Vogel heraus und die Tour wurde auch für "Nicht-Hardcode-Kunstfans" wie mich interessant. Ebenfalls interssant war auch die Mischung des Publikums: Da gab es zum einen das wohl schon alle Museen der Welt bereiste Senioren-Paar mit schlauen Zwischenfragen, zum anderen aber auch die Australier mit kurzen Hosen und Flipflops. Nach der Tour endete mein heutiges Kulturprogramm dann mit van Goghs Sonnenblumen, ein paar selbst mir bekannten Dalis und Gauguins (Eva hat schon gute Arbeitet geleistet) und der Felsgrottenmadonna - "Da Vinci Code" läßt grüßen.

Mittwoch, August 02, 2006

Kein Autokino, aber Autos im Kino

Nachdem ich mir vor einigen Monaten in der Ausstellung "20 Jahre Pixar" die Rohzeichnungen für den neuesten Animations-Streifen angesehen hatte, musste ich mich heute dann auch mal persönlich vom Film überzeugen. Also bin ich mit Nils, Jamie + Freundin ins Kino nach Reading.

In "Cars" dreht sich alles - wen wunderts - um Autos: Die besitzen dort keinen Fahrer, sondern eine eigene Persönlichkeit und haben im Prinzip die gleichen Macken und Probleme wie wir Menschen. - Okay, sprechende Fische wie bei "Findet Nemo" gibt es in echt auch nicht, also hat man sich nach zehn Minuten an die etwas skurrile Idee mit den quasselnden Autos gewöhnt. Die Animation im Film schlägt wie üblich alles bisher dagewesene: An einigen Stellen kann man das animierte Bild von einer echten Filmaufnahme kaum noch unterscheiden. Aber im nächsten Jahr werden wir dann sicherlich wieder erfahren, daß es noch besser geht ;-)

Ansonsten gibt es auch diesmal wieder die volle Pixar-Packung. Putzige Charaktere zum Knuddeln, die guten alten Werte Freundschaft und Loyalität, einen Schuß Liebe (wer könnte sich nicht in einen Porsche verlieben) und viele kleine Schenkelklopfer. Achja, und die Synchronstimmen sind dieses Jahr auch wieder sehr prominent: Paul Newman, Tom Hanks, Jay Leno, Mario Andretti und auch unser Schumi - sogar auf englisch und italienisch. Und welchem Auto leiht er seine Stimme? Na klar, natürlich einem Ferrari:



In Deutschland startet der Film übrigens am 7. September. Da ist Michael Schumacher selbstverständlich auch dabei :-)