Samstag, Juni 03, 2006

Shakespeare's Globe Theatre

An Shakespeare kommt man in England kaum vorbei, besonders wegen einer recht neuen Londoner Attraktion: Dem Shakespeare Globe Theatre. Das Theater wurde 1599 von der Schauspieltruppe um William Shakespeare erbaut und stand dann erstmal für knapp 14 Jahre. - Bis man auf die lustige Idee kam, während der Aufführung von Heinrich VIII. eine echte Kanone abzufeuern. Ein Funke sprang auf das Dach über und innerhalb einer Stunde brannte das Gebäude ab. Kein Wunder, denn das komplette Theater war aus Eichenholz gebaut und hat ein Reet-Dach. Innerhalb eines Jahres wurde das Theater dann wieder aufgebaut, diesmal entschied man sich intelligenterweise für ein geziegeltes Dach. Etwa zwanzig Jahre später outete sich die puritanische, englische Regierung dann als Spielverderber und verbot alle Theater in London, das Globe wurde abgerissen. - Bis in den 50ern ein Amerikaner nach England kam und den Briten vorwarf, keine einzige Gedenkstätte für ihrem größten Dichter zu haben. In den nächsten 40 Jahren wurden fleißig Spenden gesammelt und im Jahre 1997 dann eine originalgetreue Rekonstruktion des ersten Shakespeare Globe fertiggestellt. - Wieder mit Reetdach, aber diesmal mit einer Sprinkleranlage.

Nach einer Tour durch das angrenzende Museum machte ich eine Führung durch das Theater. Der Baustil des Gebäudes war für seine Zeit typisch, wirkt heute aber etwas skurril: Das Theater ist rund, hat drei Etagen für besser zahlende Zuschauer und einen nicht überdachten (!) Innenhof für die "Groundlings", das stehende Fussvolk. Bei schlechtem Wetter haben die Zuschauer auf den Rängen also schonmal eine Wand aus Wasser zwischen sich und der Bühne, die Groundlings stehen wortwörtlich im Regen. Bei sonnigem Wetter wie heute kann man dafür aber eine gute Sommerbräune mit einem Shakespeare-Stück verbinden - als Groundling für nur fünf Pfund.

Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und sicherte mir eine Karte für das von der Führerin augenzwinkernd als "cheerful" angepriesene Stück "Titus Andronicus". - Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Als Groundling wird man in das Geschehen auf der Bühen direkt mit einbezogen. Die einmarschierenden Römer bahnen sich Ihren Weg durch "das römische Volk" vor der Bühne, eine Jagdszene fand direkt inmitten der Menge statt. Übrigens kann Hollywood in Sachen Gewalt von Shakespeare auf jeden Fall noch etwas lernen: Am Ende zählte ich drei abgehackte Hände, eine herausgerissene Zunge, zwei rektale Schwertstiche und zwei durchgeschnittene Kehlen, um nur die blutigsten Taten zu nennen. Natürlich alles unter ausgiebiger Verwendung von Theaterblut inszeniert (Im Bild wird während der Pause das Blut weggewischt). Achja, habe ich schon erwähnt, dass zwei der Opfer ihrer Mutter in Form einer Pastete serviert wurden?

P.S.: Mehr Globe-Fotos gibt es im Fotoalbum.