Samstag, Mai 20, 2006

Tux rettet Windows

Da wollte ich am Donnerstagmorgen vor der Arbeit einfach mal den PC einschalten um noch meine Mails zu checken und dann das: Das Acer-Logo blinkte noch munter auf. Bevor Windows dann auch nur den Anschein eines Bootvorgangs startete, erschien eine Fehlermeldung. Schwarz auf weiss, noch nicht mal einen blauen Bildschirm hatte Windows mehr hinbekommen. Selbst der abgesicherte Modus ließ sich nicht starten. Der Aufforderung, die Installations-CD einzulegen, konnte ich leider nicht nachkommen - die liegt zu Hause in Deutschland auf dem Schreibtisch. Bei mir in der WG hatte auch niemand seine Windows-CDs dabei und von den Mac-Menschen auf der Arbeit konnte man auch keine Hilfe erwarten. Warum müssen Mac-Fans solche Gelegenheiten eigentlich immer dazu nutzen, Reden über die Vorteile von Apple zu schwingen? Ich sage nur: "Hey, kauf Dir 'nen Mac, mit dem wäre das nicht passiert!".

Heute erinnerte ich mich dann daran, daß Stefan mal etwas von einer direkt von der CD bootbaren Linux-Version erzählt hatte. Damit würde ich dann wenigstens die Daten auf meiner Festplatte verändern können, was im Moment ja gar nicht mehr ging. Ein kurzer Anruf bei ihm und ich hatte den Namen der Distribution, die ich mir dann von einem Mitbewohner herunterladen und brennen ließ: SLAX (Die Kill Bill Edition ;-). Ich legte die Scheibe ein, ließ meinen Laptop von CD booten und schon hatte ich Linux mit einer hübschen, grafischen Benutzeroberfläche auf meinem Laptop. Ganz ohne Installation und ohne irgendetwas auf meinem Rechner zu verändern. Das Einrichten einer Internetverbindung war ein Klacks. Über Google fand ich eine Anleitung zur Beseitigung meines Problems, nach dem Herumkopieren einiger Systemdateien war der Fehler schnell behoben und Windows startete wieder.

Hätte Windows in einem ähnlichen Fall auch alles dafür getan, ein anderes Betriebssystem zu retten? Der Linux-Pinguin ist sich dafür scheinbar nicht zu Schade. Danke, Tux!

Sonntag, Mai 14, 2006

Speakers, Sports and WW1

Trotz Wochenende bin ich heute früh aufgestanden und morgens direkt zur Speakers Corner in den Hyde Park gefahren. Die Show am letzten Wochenende hatte mir einfach zu gut gefallen, das musste ich mir auf jeden Fall nochmal ansehen. Die heute anwesenden Redner ließen auch wieder keine Wünsche offen: Neben der Frage über die Existenz der Hölle gab sich ein Osama Bin Laden ähnelnder Araber die Ehre, ein paar Meter weiter versuchte ein bibeltreuer Texaner seine Version der Schöpfung gegen die Evolutionstheorie zu verteidigen.

Gegen Mittag zog ich weiter zum Picadilly Circus. Im Vergleich zum letzten Formel1-Wochenende in London habe ich mich dann um Klassen gesteigert: Während ich vor zwei Wochen auf einem kleinen Bildschirm ohne Ton das Rennen sehen musste, schaffte ich es heute pünktlich zum Start ins "Sport Cafe". In diesem Pub konnte ich Schumi und Alonso dann auf zwei Großbildleinwänden zuschauen, zudem waren überall Fernseher verteilt. - Selbst an der Theke und auf der Toilette entging einem also nichts vom Rennen. Übrigens hing direkt über dem Pissoir der Sportteil der heutigen Zeitung. Der Laden macht seinem Namen also alle Ehre.

Für Briten ist der Unterscheid zwischen Sport und Krieg nicht so groß, also war mein anschließender Besuch des Imperial War Museums für die hiesigen Verhältnisse auch kein allzu abrupter Themenwechsel. Das IWM dokumentiert alle Kriege, an denen die britischen Streitkräfte in ihrer jüngeren Geschichte teilgenommen haben. Den Hauptteil dieser Ausstellung machen die beiden Weltkriege aus. - Bis zur Schließung um sechs Uhr reichte meine Zeit heute aber leider nur für den ersten Weltkrieg. Neben der zeitliche Darstellung der Ereignisse werden vor allem viele historische Alltagsgegenstände der beteiligten Truppen ausgestellt. Darüber hinaus wird auch über kleine Details des Krieges berichtet, von denen man ansonsten wenig liest. Mir war zum Beispiel völlig neu, dass die Briten über dem besetzten, französischen Gebiet an kleine Fallschirme geschnürte Brieftauben abwurfen. Die Französische Zivilbevölkerung sollte diesen dann Meldungen über deutsche Truppenbewegungen ans Bein binden und sie über die feindlichen Linien hinweg nach Hause fliegen lassen. Wer das beengte Gefühl des Stellungskrieges einmal etwas greifbarer erleben möchte, kann im IWM zudem einen detailgetreu nachgebauten, britischen Frontgraben besichtigen - inklusive Kanonenschüssen und Blitzlichtgewitter im Hintergrund.

Montag, Mai 01, 2006

Bei Windsors daheim

Nach anfänglichem Regen klarte das Wetter heute auf und überzeugte uns zu einem Besuch auf Windsor Castle. Von Slough aus überquert der Bus nur einmal die Themse und ist in einer Viertelstunde da. Je näher wir dem Schloß kamen, umso beeindruckender erhob sich die Schloßanlage über dem kleinen Ort Windsor. Die Parkanlagen vor dem Schloß waren schon kräftig grün, und das Mauerwerk sah aus, wie am Morgen frisch gesandstrahlt. An der Kasse mussten wir eine halbe Stunde anstehen und im ermäßigten Ticketpreis von 13 Pfund war ein Audioguide diesmal schon inbegriffen - auch praktisch.

Durch den Südeingang sind wir dann erstmal in den Innenhof des Schloßes und haben die St. George's Chapel besichtigt. Die über 600 Jahre alte Kirche ist die Gründungskirche des berühmten Hosenbandordens. In diesem Orden werden die wichtigsten Ritter des Landes aufgenommen, um sie enger an die Königin zu binden. Aktuelle Ritter sind zum Beispiel John Major und Maggie Thatcher, zuvor gehörten schon Winston Churchill, Edmund Hillary oder Ernst August von Hannover dem Orden an. - Natürlich der I. und nicht der Prügelprinz. Im Mittelschiff der St. George's Chapel hängen die Wappen und Fahnen der zwölf aktuellen Ritter. Bei uns waren es leider nur elf, ein Ritter ist gerade verstorben und macht damit Platz für einen Nachrücker.

Im eigentlichen Inneren des Schloßes besichtigten wir zuerst einmal das Puppenhaus von Queen Mary. Die Frau von Georg dem fünften ließ in ihrer Freizeit ein Puppenhaus im Maßstaab 1:12 einrichten, es hat eine Grundfläche von etwa sechs Quadratmetern und fünf Etagen. Und wie es sich für das Puppenhaus einer Königin gehört, ist das Tischbesteck aus echtem Silber, die Wasshähne funktionieren wirklich, in den Fässern im Weinkeller ist echter Wein und die Gemälde, Bücher und Möbel sind von echten Künstlern angefertigt und gespendet worden.

Weiter ging es dann durch die State Apartments. Hier werden normalerweise die ausländischen Staatsgäste der Königin begrüßt und beeindruckt. In der St. George's Hall finden die offiziellen Festbankette statt. An der Decke der Halle sind die Wappen aller bisheriger Ritter des Ordens angebracht. Bei denen, die später wieder aus dem Orden ausgeschlossen wurden, sind nur noch die Umrisse der Wappen zu sehen - um ihre Schande für die Nachwelt festzuhalten. Solche schwarzen Schafe sind zum Beispiel die deutschen Kaiser Wilhelm I. und II., denen die Ritterwürde während des ersten Weltkrieges wieder entzogen wurde.

Beim Wachposten eines Beefeaters erklärte der Audioguide dann, man könne ruhig Fotos mit den im Dienst befindlichen Soldaten machen. Eine Gruppe von Leuten stand auch schon um ihm herum, traute sich aber nicht so recht. Nachdem Eva und ich unsere Fotos gemacht hatten, kam die Menge dann aber auch auf den Geschmack und die restliche Schicht des Beefeaters wurde zum Fotoshooting.

P.S.: Mehr Windsor-Fotos gibt es im Fotoalbum.