Sonntag, April 30, 2006

Der Sommer ist da

Zum Gruseln wollten wir heute Mittag eigentlich ins London Dungeon, einer Mischung aus Museum und Theater, in dem die dunkle Londoner Geschichte von der Pest bis hin zu Jack the Ripper aufgearbeitet wird. Die Warteschlange vor dem Eingang war dann auch wirklich grausig: Schlappe anderthalb Stunden hätte man Anstehen müssen.

Da haben wir uns dann lieber mit unserem Mittagessen an einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Tower Bridge niedergelassen. Das Wetter lud geradezu dazu ein: Mit dem ersten Sonnenstrahlen zogen Londoner in Sommerkleidern und Flipflops an uns vorbei, Eltern ließen ihre Kinder barfuß in kleinen Brunnen spielen. Das Thermometer zeigte dabei auch wonnige 12°C (gefühlt: 12°C). Kein Witz: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was mit den Briten in Sachen Temperatur los ist. In der letzten Woche hätte ich schon sketpisch sein sollen, als sich eine Kollegin auf der Arbeit über die bald beginnende "Flipflop-Season" freute. Mit einer Jacke und dem Gesicht zur Sonne ist es auch recht angenehm. Aber ich möchte nicht wissen, wie viele Londoner Kinder am Montag eine Erkältung haben, nur damit ihre Eltern den Verwandten in Spanien vom tollen britischen Wetter erzählen können.

Nach unserem Besuch der Tower Bridge besichtigten wir dann den angrenzenden Tower of London. An dieser Stelle muss ich mich jetzt wohl mal als Kulturbanause outen: Bisher hatte ich immer die Brücke an sich als Hauptbauwerk betrachtet und mir den eigentlichen Tower als kleines Gebäude an der nördlichen Seite der Themse vorgestellt. Pustekuchen. In Wahrheit ist der Tower ziemlich groß: Er besteht erstmal aus dem ursprünglichen White Tower, einem Innenhof, einer großen Anzahl von Gebäuden, sowie einer inneren und einer äußeren Befestigungsmauer. Mit einem Audioguide ausgestattet haben wir dann einen großen Teil der Anlage besichtigt und dabei viel über die teilweise blutige Vergangenheit der Gebäude erfahren. Highlight des Besuchs im Tower ist das 1996 eröffnete Besichtigungshaus der Kronjuwelen. Die Queen hat sich dabei scheinbar von diversen Freizeitparks inspirieren lassen: Nach dem Einlaß schlängelt man sich zuerst einmal durch einige Räume im vorderen Teil des Hauses und wird dabei von Videos und Dekorationen auf das eigentliche Besuchsziel eingestimmt. Die ersten Ausstellungsstücke können noch "zu Fuß" besichtigt werden, an den eigentlichen Kronjuwelen fährt man dann langsam auf einem Laufband vorbei.

Abschließend hielten wir noch nach den berühmten Raben Ausschau. Der Legende nach geht das britische Königreich unter, falls die Raben den Tower von London verlassen. Dummerweise haben wir heute aber keinen einzigen Raben gesehen. Entweder hatten die also ihren freien Tag oder es sieht für die Queen nicht so gut aus ;-)

P.S.: Mehr Fotos gibt es im Fotoalbum.

Samstag, April 29, 2006

London zu Fuß

Gestern ist Eva angekommen, in der Mittagspause bin ich mit dem Bus zum Flughafen und habe sie abgeholt. Endlich nicht mehr alleine hier :-) Danach musste ich leider wieder an die Arbeit. Am Wochenende wird ein wichtiges Projekt abgeschlossen und dafür waren noch einige Vorbereitungen zu treffen. Zum Glück ist es aber nicht mein Part, am Sonntagabend um kurz vor zwölf noch im Büro zu sitzen. Nur Praktikant zu sein hat manchmal halt auch seine Vorteile.

Heute sind wir zwei dann zusammen nach London gefahren und haben die Stadt zu Fuß erkundet. Dort wurde zum Wochenende auch richtig was geboten, zum Beispiel eine mittägliche Schlägerei am Leicester Square. In einem der Pubs ging es hoch her und ein paar der schon ziemlich angetrunkenen Unruhestifter sorgten mit unterhaltsamen Aktionen wie Stühlewerfen direkt vor dem Pub für eine große Ansammlung Schaulustiger. Die schnell hinzugeeilten Polizisten ließen sich in Ruhe mit Flaschen bewerfen und unternahmen bis zum Eintreffen der Verstärkung erstmal gar nichts. - Auch eine interessante Taktik.

Nachdem wir uns auf der Carnaby Street nach den neuesten Puma Sneakers umgesehen hatten, shoppten wir dann ein bisschen bei Lush. In diesem alternativ angehauchten Laden wird Handgemachtes zum Thema Körperpflege verkauft. Die naturbelassene Seife kann man sich direkt von großen Blöcken abschneiden lassen, das Shampoo ist ebenfalls quaderförmig und braucht keine unnötige Plastikdose. Der ganze Laden riecht lecker nach den verwendeten Zutaten und das zum Neutralisieren bereitgestellte Kaffeepulver ist eine große Hilfe um geruchsmäßig noch den Überblick zu bewahren. Bei einigen Mixturen muss man sich wirklich zurück halten, sie sehen neben dem tollen Geruch auch noch zum reinbeißen aus. Übrigens geht die Hingabe zum Produkt bei Lush soweit, dass auf jedem Artikel der Name des Seifenmischers drauf steht.

Durch einen der zahlreichen Parks gingen wir weiter zur Westminster Abbey, vorbei an den Houses of Parliament in Richtung Big Ben. Auf der anderen Seite der Themse wollten wir dann eigentlich mit dem London Eye fahren, einem gigantischen Aussichts-Riesenrad mit Blick über ganz London. Leider lag die Wartezeit heute aber bei knapp zwei Stunden. Also gönnten wir uns stattdessen einen Fünf-Uhr-Tee und fuhren zum Abendessen mit der Tube nach Soho.

P.S.: Mehr Fotos vom Tag gibt es im Fotoalbum.

Sonntag, April 23, 2006

London

Einen Monat bin ich nun schon hier und habe es noch kein Mal geschafft wirklich einen Tag in London zu verbringen. Schande über mich! Das dachte ich mir auch und machte mich heute dann endlich mal auf in die City. Mit dem Zug fährt man je nach Bahnanbieter zwischen 10 und 30 Minuten und bezahlt etwa 10 Pfund, also €15, das Tagesticket für die U-Bahn ist da auch schon drin.

Als ersten Eindruck kann man schon mal die Verrückten-Quote vermerken, die hier wirklich weltstädtisches Niveau erreicht: Am Oxford Circus standen gleich zwei Menschen mit einem Megafon in der Hand und versuchten die vorbeigehenden Passanten vom baldigen Untergang der Welt und der religiösen Erlösung zu überzeugen. Ein paar Straßen weiter wollte mir ein Hare-Krishna-Jünger ein Buch für mein Seelenheil andrehen. Aufgrund irgendeines wichtigen Fußballspiels liefen dann dutzende Typen in englische Flaggen eingewickelt durch die Stadt. Auf die unzähligen, mit merkwürdigen Kopfbedeckungen bekleideten Menschen möchte ich gar nicht erst eingehen. Fangen hier Junggesellenabende vielleicht schon am Morgen an?

Über den Picadilly Circus ging ich dann weiter zum Leicester-Square, dem Mittelpunkt des für seine Theater bekannten Westend. In dem kleinen Park in der Mitte des Platzes war eine riesige Leinwand aufgestellt, auf der alte Charlie Chaplin Filme liefen. Mit den Kinos, Theatern und unzähligen Ticketbuden kam man sich bei der überall hörbaren Stummfilm-Musik etwas wie in einem realen Movie-World vor ;-)

Da den ganzen Tag über ein englischer Regen das Wetter dominiert, setze ich mich zum Mittag in ein Pub und schaute mir zusammen mit ein paar fluchenden Briten den ersten Platz von Schumacher in Imola an. Danach ging es dann weiter durch Chinatown und mit der Tube Richtung Science Museum zur Sonderausstellung "Pixar: 20 Years of Animation". Die Ausstellung war recht cool und beleuchtete auch die Schritte vor der eigentlich Computeranimation: Die ersten Zeichnungen der Charaktere, deren Umsetzung als Gipsmodell, die Erstellung des Storyboards und die Wahl der stimmungsgebenden Farben in den einzelnen Filmabschnitten. Der Preis war auch schon mal eine gute Einstimmung auf alle anderen Londoner Attraktionen. Für knappe anderthalb Stunden zahlt der Erwachsene Besucher etwa €13,50.

Samstag, April 22, 2006

Birthday Meal

Heute hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, London an einem Samstagabend zu erleben: Mein Manager hatte Geburtstag und aus diesem Anlass einige seiner Freunde und auch unser Team in die Soho-Pizzeria eingeladen. Also machte ich mich gegen sechs Uhr auf die Socken und fuhr erstmal mit der Bahn von Slough nach Paddington, dann mit der Tube weiter zum Oxford Circus. Die Pizzeria entpuppte sich als ein sehr geselliger Vertreter ihrer Art: Jeden Abend gibt es hier Livemusik aus der Jazzecke. Heute stand ein sehr relxates Duo auf dem Plan, welches den ganzen Abend extrem gut spielte und für eine relaxte Stimmung sorgte.

Nach ein paar Gläsern Wein konnte ich dann endlich einmal Antworten auf die wichtigsten Fragen der deutsch-englischen Beziehung in Sachen Sport finden. Zuerst einmal natürlich die verwirrendste Frage: Warum in aller Welt tritt ein Land wie Großbritannien in Sachen Sport meist in seine Einzelteile zerlegt an, sprich unter den Namen England, Schottland und Wales. Die Antwort dazu kam schnell und einstimmig: In den Sportarten, in denen die Engländer etwas reißen können, treten sie alleine an. Falls es mal nicht so gut klappt, werden halt noch die Waliser und Schotten in die Pflicht genommen und man lässt sich unter dem Label "Großbritannien" sehen. Das finden die aber wohl nicht so toll: Um einen sicheren Aufenthaltsort bei einem möglichen Spiel Deutschland-England muß ich mir deswegen keine Sorgen mehr machen. Das werde ich dann in einem schottischen Pub sehen: Wenn irgendwer gegen England spielt sind die Schotten immer auf der Seite des Gegners.

Sehr verwundert waren die Briten dann über die deutsche Gelassenheit zum hier so heiß diskutierten Duell Deutschland-England. Wenn man die meisten Spiele gewinnt muss man sich ja auch keine Gedanken machen ;-) Aber vielleicht sollten wir die Engländer irgendwann in entfernter Zukunft doch mal, zumindest bei einem Freundschaftsspiel, gewinnen lassen. Den Jungs scheint nach eigener Aussage sehr viel daran zu liegen: "Bitte lasst uns doch nur einmal gewinnen, mehr wollen wir doch gar nicht. Dann können wir uns endlich wieder lieb haben!"

Sonntag, April 16, 2006

Frohe Ostern

Zusammen mit dem Lindt Goldbunny wünsche ich Euch allen frohe Ostern! Damit ich hier keine Feiertagsdepressionen bekomme, habe ich mir selbst ein kleines Osternest gebastelt und den klassischen Goldhasen mit den hier so beliebten Cadburry Cream Eggs kombiniert. Beim Einkaufen musste ich feststellen, daß das Angebot an Osterartikeln hier zu 80% aus riesigen Schokoeiern besteht, die etwa 20-30 cm hoch sind. Ich habe mich dann aber doch für das klassische, deutsche Osternest entschieden. :-)

Gestern habe ich dann noch unseren neuen Mitbewohner näher kennengelernt, der vor ein paar Tagen hier eingezogen ist. Rick kommt ursprünglich aus Neuseeland, arbeitet in Slough als Account-Manager bei den gelben Seiten und legt an den Wochenenden in verschiedenen Clubs auf. Am frühen abend sind wir zusammen zu einem Off-License-Shop gegangen und haben uns mit Vodka + Cola eingedeckt. Später kam noch eine Kollegin von Rick vorbei und die WG bekam ein exklusives Privat-Set in Ricks Zimmer, das praktischerweise auch einen Balkon hat. Wo ab nun immer die Partys in der WG stattfinden, steht jetzt also definitiv fest.

Samstag, April 08, 2006

Ausflug nach IKEA

Außer Bett, Nachttisch, Kommode und Schrank steht ja noch nicht so wirklich viel in meinem Zimmer. Also habe ich beschlossen, mir ein paar Einrichtungsgegenstände zuzulegen - zumindest einen Tisch und einen Stuhl bräuchte ich schon noch. Auf meinen Streifzügen durch Slough hatte ich vor ein paar Tagen eine Reihe von Möbelmärkten gesehen, die habe ich mir dann am Vormittag erstmal angesehen. Ausser Unmengen von Sofas, die Briten scheinen Sofas zu lieben, gab es dort aber leider nichts von meiner Wunschliste. Also musste ich doch noch einen Schritt weitergehen als geplant: Auf zu IKEA.

In London gibt es dreimal IKEA. Der Laden im Westen ist schonmal zu weit weg, der südliche hat keine gute Verbindung zur Tube. Also blieb nur noch das dritte IKEA in der Nähe des Wembley-Stadions. Mit dem Bus bin ich erstmal eine knappe Dreiviertelstunde nach Uxbridge gefahren, von da aus mit der Tube nochmal zwanzig Minuten. Nach einem weiteren Umstieg stand ich dann an der Neasdon-Station. Von hier aus waren es laut IKEA-Website etwa zwanzig Minuten zu laufen. Ich fragte fünf Leute nach dem Weg und bekam fünf verschiedene Antworten hinsichtlich der zu laufenden Richtung. Als ich gerade auf die sechste Person zugehen wollte, kam sie mir lustigerweise zuvor und fragte mich ebenfalls nach dem Weg zu IKEA. Also suchten wir gemeinsam weiter und fanden nach einigem herungelaufe und einer Busfart endlich IKEA.

Der gesuchte Tisch INGO und Stuhl IVAR waren schnell gefunden, zudem konnte ich mich für die Lampe STORM begeistern. Den günstigen Teppichen konnte ich ebenfalls nicht widerstehen und neben dem üblichen IKEA-Kleinkram verirrte sich an der Kasse dann noch eine Duschmatte in meinen Wagen. Am Verpackungstisch bastelte ich mir mit einigen Schnüren ein nicht gerade handliches Paket von etwa 20 bis 25 kg Gewicht aus meinen Einkäufen. Hört sich tragbar an - aber nur für die sonst üblichen 100 Meter bis zum Auto.

Dank einem netten Busfahrer fand ich nach meinem Einkauf zurück zur Tube-Station und musste feststellen, dass ich meinen Anschluss-Bus in Uxbridge vergessen konnte - der fuhr Samstags dummerweise nur bis acht. Also musste ich mich irgendwie zu einer Tube-Station mit Bahnanschluss durchkämpfen. Nach mehrmaligem Umsteigen, einigen Treppen hoch, ebenso vielen Treppen wieder hinunter und etlichen verduzten Blicken von Passanten stand ich dann endlich am Ealing Broadway. Ich stellte mein bis hierhin geschleiftes/geschlepptes Paket ab und kaufte an einem Ticketschalter eine Bahnkarte. Auf einem Monitor hinter dem Bahnmitarbeiter leuchtete auf einmal blinkend rot die Meldung "Achtung, unbeaufsichtiges Gepäck gefunden" auf. - Hinter mir waren vier panische Bahnhofsmitarbeiter dabei, mein Paket wegzutragen. Nach einer kurzen Diskussion und einem Frage-und-Antwort-Spiel über den Inhalt der vermeintlichen Bombe bekam ich mein Paket dann zurück. - Glück gehabt, denn solche unbeaufsichtigten Gepäckstücke landen normalerweise erstmal für eine Woche in Quarantäne und können dann für zehn Pfund wieder ausgelöst werden. Geschlagene drei Stunden nach verlassen der IKEA-Tür kam ich endlich zu Hause an. Aufgebaut habe ich dann erstmal nicht mehr.

P.S.: Achja, auf dem IKEA-Packtisch habe ich noch die nebenstehende Karte mit Sicherheitshinweisen für Mitarbeiter gefunden. Könnte interessant sein, wenn bei Eurem nächsten IKEA-Besuch die Durchsage nach dem IKEA-Timecheck kommt ;-)

Donnerstag, April 06, 2006

Endlich ein Amazonian

Lange hats gedauert, aber heute hatte ich endlich meinen ersten Arbeitstag bei Amazon.co.uk. Nach einer ersten Führung durchs Gebäude und meiner offiziellen Registrierung habe ich die Leute kennengelernt, mit denen ich die nächsten fünf Monate zusammen arbeiten werde. In der Mittagspause waren wir dann gemeinsam zum Lunch in der City. Wie könnte es anders sein: Beim Inder. Das Team in dem ich arbeite beschäftigt sich mit dem Webdevelopment der europäischen Amazon-Internetseiten: Also Amazon.co.uk, Amazon.de und Amazon.fr. Mehr darf ich dazu aber leider nicht erzählen, alles andere fällt unter mein Non-Disclosure Agreement. ;-)

Auf dem Rückweg von der Arbeit habe ich dann noch kurz bei Tesco halt gemacht, um mich mit ein paar mehr notwendigen Utensilien für mein Zimmer auszurüsten. Die nackte Glühbirne an der Decke ist nun mit einem wunderhübschen, IKEA-stylischen Lampenschirm bedeckt. Zudem ziert nun ein Tretmülleimer mein ansonsten noch sehr kahles Bad. - Am Wochenende werde ich erstmal ein wenig shoppen, um die restlichen benötigten Utensilien zu besorgen.

Montag, April 03, 2006

Kamelreiten

Um mich auf mein bald beginnendes Praktikum ein wenig vorzubereiten, hatte ich mir vor der Abreise auf Amazon.co.uk das O'Reilly-Buch "Perl in a nutshell" bestellt. Pünktlich am Freitag kam das Buch dann auch in meinem Guesthouse an. Der ein Kamel auf dem Einband zeigende Wälzer ist quasi das Standardwerk für die Programmiersprache Perl, die laut Wikipedia bei Amazon verwendet wird.

Eigentlich ist Perl schon eine recht alte Programmiersprache. Deswegen war ich anfangs auch etwas überrascht zu hören, dass sie bei Amazon zum Einsatz kommt. Perl wurde 1987 von Larry Wall entwickelt und kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Der eigentliche Kern der Sprache ist immer recht simpel und schnell erlernbar geblieben. Ein Einstieg in Perl ist also recht leicht und führt schnell zu den erwünschten Resultaten.
Was Perl aber so mächtig macht ist die flexible Erweiterbarkeit. Von vorne herein war Perl auf einen modularen Aufbau ausgelegt. Es gibt eine grosse Gemeinschaft von aufopfernden Entwicklern, die ihre entwickelten Module der Allgemeinheit zur Verfügung stellen - und das auch noch an einem zentralen Ort dem CPAN (Comprehensive Perl Archive Network). Das CPAN ist sozusagen eine Sammelstelle für bereits gelöste Probleme. Möchte man also etwas mit Perl lösen, schaut man zuerst einmal ob irgendwer auf CPAN schon das gleiche Problem hatte und man dessen Arbeit verwenden oder weiterentwickeln kann. Ein in Perl integriertes Programm macht es dann einfach, ein Modul von CPAN in sein Programm einzubinden. So muss das Rad also nicht jedesmal neu erfunden werden.

Auf so ein Modul setzt übrigens auch Amazon: Die Erweiterung HTML:MASON. Mit dieser Erweiterung ist es möglich, Perl-Syntax ähnlich JSPs in HTML-Seiten einzubinden. Das erhöht den Entwicklungskomfort von Perl für den vorgesehenen Einsatz im Internet natürlich ungemein.

Eine andere Stärke von Perl ist dessen Schnelligkeit. So sehr ich auch meine Standard-Scriptsprache PHP mag: Wenn es um Schnelligkeit bei der Bearbeitung großer Datenmengen geht, ist Perl unschlagbar. Einen Vergleich mit der Schnecke Java mache ich lieber erst gar nicht. Mag das Kamel auf dem O'Reilly-Buch für Perls Zuverlässigkeit stehen, der Gecko von ActiveState-Perl steht auf jeden Fall als Sinnbild für Perls Geschwindigkeit.

Trotzdem habe ich noch keinen Schimmer wie die Umsetzung von Amazon auf Perl-Basis aussehen mag, da bin ich schonmal sehr gespannt. Mein Wissen darüber teilen darf ich laut Arbeitsvertrag aber auf jeden Fall nicht. ;-)

Sonntag, April 02, 2006

Faul bei McLAN

Nach dem ganzen Rumgerenne der letzten Tage habe ich mir heute mal einen lauen Tag gemacht: Erst einmal das Formel1-Rennen gesehen, dann noch eine Runde hingelegt und nach dem Aufstehen endlich mal meine Koffer ausgepackt. - Sonst ist beim Auspacken in meinem späteren Zimmer ja alles komplett zerknittert. Jetzt habe ich wenigstens etwas mehr Platz in meinem Guesthouse-Zimmer. Dann habe ich gleich mal meine TV-Karte ausprobiert. Klappt auch ganz gut, aber leider nur über die Haus- und nicht über die Zimmerantenne.

Am späten Nachmittag bin ich dann zum nächsten McDonalds aufgebrochen. Weniger wegen des Essens, sondern eher wegen des dort vorhanden Hotspots für mobilen Internetzugriff. Der ist mit knapp 9 Euro die Stunde zwar mehr als überteuert, aber wenn ich über das Internet durch Voice-over-IP nach Hause telefoniere ist es doch um einiges günstiger. Bei meinem letzten Anruf über eine Telefonzelle rasselte mein Geld nämlich im Sekundentakt durch, eine Minute nach Deutschland kostet über ein öffentliches Telefon etwa einen Euro.

Samstag, April 01, 2006

Schwarzseher auf der Western Station Road

Auf zum letzten Besichtigungstermin - der dummerweise nur zwei Häuser weiter von einem vorherigen entfernt war. Das vorgestellte Zimmer übertrumpfte das benachbarte nur in einem vorhandenen Schreibtisch, war dafür aber erst viel später beziehbar. Also habe ich den Vermieter vom Haus nebenan angerufen und meinen Einzug zugesagt. Danach habe ich dann auch gleich per internationaler Überweisung die erste Miete und die Kaution überwiesen. - Zusammen schlappe 1850 Euro.

Den Nachmittag verbrachte ich dann mit der Suche nach einer DVB-T-TV-Karte für mein Notebook. In der Innenstadt gab es leider keinen größeren Elektronikladen, also fuhr ich mit dem Bus die Bath Road Richtung Maidenhead entlang. Ein zufälliger Volltreffer führte mich dann in die Slough "PC World", einen riesen Laden für Computerkram aller Art. Die Auswahl an TV-Karten war dort ebenfalls groß und ich entschloß mich für eine Lösung mit zugehöriger Fernbedienung. Auf meine Nachfrage hin erklärte mir der nette Verkäufer dann auch, daß die Briten ähnlich der deutschen GEZ eine Zentrale zum Einzug von Fernsehgebühren haben. Die Einstellung dazu war ebenfalls die gleiche wie in Deutschland, aber die Empfehlung zur Erschleichung von kostenlosem Fernsehen blieb hier eher aus: Die Briten scheinen ihre Nachforschungspflicht wohl ernster zu nehmen als die deutsche GEZ und verhängen auch gerne mal Strafen von 1000 Pfund fürs Schwarzsehen. Mit welchen Mitteln hier gearbeitet wird, konnte ich auch gleich an der Kasse feststellen. Beim Kauf einer TV-Karte wird man zur Arbeitserleichterung der Gebühreneintreiber sofort mit seiner Adresse erfasst. - Dumm nur, wenn man bislang noch gar keine hat. Aber jede Bürokratie bahnt sich auch ihre Auswege: Damit der Mitarbeiter an der Kasse wenigstens etwas in das Formular eintragen konnte, wohne ich jetzt in der Western Station Road in Slough. - Ein späterer Blick auf die Karte verriet mir dann, dass es die hier in Slough gar nicht gibt.